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DIE HEXENVERFOLGUNGEN
Über die systematische Ermordung von Millionen Frauen - und einiger (vergleichsweise wenigen) Männer

Wann fanden die Hexenverfolgungen statt?

Viele glauben, die Hexenverfolgen haben im Mittelalter stattgefunden. Mit dem Begriff Mittelalter wird dabei oft rückständiges Denken und Aberglaube verbunden, welche dann in der Neuzeit, dem sogenannten Zeitalter der Aufklärung überwunden worden sei.

Doch nicht im "finsteren Mittelalter" fanden die groß angelegten Hexenverbrennungen statt, sondern mit dem Beginn der frühen Neuzeit, dem Zeitalter von Renaissance und Humanismus(!!!).

Die im Mittelalter gängigen Rechtspraktiken (z.B trugen die Kläger das Prozessrisiko) machen Hexenverfolgen im Mittelalter kaum denkbar. Im 13. und 14. Jahrhundert gibt es im deutschen Sprachgebiet kaum Nachweise für Hexenverfolgungen. Ab 1480 begann die systematische Verfolgung von Hexen. Millionen wurden umgebracht, zu fast 90 Prozent Frauen.

Doch der Wahn ist nicht einfach so aufgetaucht (16.Jhdt), hat seine Höhepunkte (17.Jhdt) erreicht und ist dann irgendwie wieder abgeflaut (18.Jhdt), einfach so. Es war nicht die brodelnde Volksseele, die ihren Gewaltphantasien- und -taten freien Lauf ließ, sondern es war die geistliche und weltliche Obrigkeit, die den Frauen ganz legal den Prozess machte.

Über die rechtlichen & kirchlichen Grundlagen, die groß angelegte Hexenverfolgungen erst ermöglichten

Im 13.Jhdt erfolgte die Identifizierung der Ketzerei mit der Hexerei. Für die Kirche ging es dabei in erster Linie um die Bekämpfung der Autorität feindlicher, gut organisierter Gruppen und natürlich um den eigenen Machterhalt. Thomas von Aquin (1225-1274), bedeutendster und einflussreicher Philosoph und Theologe des Mittelalters, bestätigte die Existenz von Hexen und erklärte, dass es die Magie gebe und dass sie nicht das Werk der Hexen, sondern des Teufels sei. Später folgten wissenschaftliche Begründungen für den Hexen- und Dämonenglauben.

Kaiser Friedrich II. erließ 1238 und 1239 Gesetze zum Schutz der Inquisition. Papst Innozenz IV. ließ 1252 mit der Bulle "Ad Exstirpanda" den Gebrauch der Folter zur Erpressung von Geständnissen zu. Diese Verfahren stammt aus dem römischen Recht, dort wurde es hingegen ‚nur' gegen SklavInnen verwendet. Die Grundlagen bzw Voraussetzungen für die späteren Hexenverfolgungen waren nun geschaffen: Verfahren ohne Anklage, Denunziation, Folter und Tod auf dem Scheiterhaufen.

Als die Ketzerbewegungen weitgehend ausgerottet waren, begann man nach anderen, dem Teufel verschriebenen, zu suchen. Zum neuen Feindbild wurden nun die Frauen. Die latent vorhandene Frauenverachtung, gepaart mit Vorstellungen von Dämonen und Zauberei mit Teufelspakt, war eine der Auslöser der Hexenverfolgungen. Jakob Sprenger, päpstlicher Inquisitor für die Rheinlande und Heinrich Insititoris, Inquisitor für Oberdeutschland, waren bei ihren Versuchen, statt Ketzern nun von ihnen als "Hexen" bezeichnete Frauen zu verfolgen, auf heftigen Widerstand gestoßen: Ihre Opfer wurden ihnen nämlich häufig durch weltliche Macht entzogen.

1484 baten die beiden Inquisitoren und Dominikanermönche Jakob Sprenger und Heinrich Institoris den Papst um Unterstützung ihrer Tätigkeit. Als Reaktion erläßt Innozenz VIII. die Bulle Summis Desiderantis, in der er zur verstärkten Verfolgung von Hexen aufruft. Mit dieser allgemein gehaltenen Bulle - der Papst spricht hier interessanterweise nicht speziell von Frauen, sondern von "Personen beyderley Geschlechts…" - gelang es mit päpstlicher Autorität jeden Widerstand und Zweifel an der Rechtmäßigkeit der Prozesse und Hinrichtungen im Keim zu ersticken.

Doch auch der päpstliche Freibrief für die beiden Inquisitoren ("sie dürfen durch keinerley Gewalt beeinträchtigt oder sonst auf irgendeine Weise gehindert werden") brachte den beiden immer noch kein Glück. Trotz päpstlicher Unterstützung erleidet der Inquisitor Heinrich Institoris in einem Innsbrucker Prozeß eine schwere Niederlage. Im Oktober 1485 begann Institoris in Tirol mit den Verfolgungen. Doch die neuen Ideen des Hexenwesen stießen - nicht nur bei der Bevölkerung - auf Widerstand. Ein Sturm der Entrüstung ging durchs Land und der Bischof forderte den Inquisitor auf, das Land zu verlassen.

Dieser Misserfolg ist für Institoris wahrscheinlich der Grund, mit einem Ordensbruder das Handbuch "Der Hexenhammer" zu verfassen. Im Jahr 1487 veröffentlichten die beiden Dominikanermönche Heinrich Institoris und Jakob Sprenger den "Hexenhammer"; das Buch wurde zum Standardwerk in der Prozessführung."Die Peinliche Gerichtsordnung Kaiser Karl V." (kurz ‚die Carolina' genannt) schafft 1532 die gesetzliche Grundlage für die massenhafte Durchführung von Hexenprozessen in Deutschland.

Der Hexenhammer

Im Gegensatz zur päpstlichen Bulle ("Hexenbulle") ist im Hexenhammer (Malleus Maleficarum = Unholdinnen-Hammer) nur mehr ausschließlich von Frauen als Hexen die Rede. Sprenger und Institoris vermittelten in ihrem Buch ein extrem frauenfeindliches Bild und trugen alles zusammen, was damals an Negativem über Frauen zu finden war, so zum Beispiel die These, dass die Frauen sowohl biologisch als auch metaphysisch minderwertig und unvollkommen seien und sie diese Mängel mit Lüge, Hinterlist und Habgier auszugleichen versuchen.

Sie behaupten, dass Frauen von Natur aus einen geringeren Glauben haben und ihr Verstand mangelhaft sei. Als Indiz für die Minderwertigkeit der Frauen leiteten sie von der lateinischen Übersetzung für das Wort Frau ab: Femina komme von fe und minus (fe deuteten sie als fides = Glaube und minus heißt weniger, femina = die weniger Glauben hat). "Also sei das Weib von Natur schlecht, da es schneller am Glauben zweifelt und auch schneller den Glauben ableugnet".

Der Hexenhammer und die darin beschriebenen Vergehen (z.B. sexueller Verkehr mit dem Teufel), die die Hexen angeblich begangen hatten, sagen eigentlich nichts über die Frauen (die Opfer) aus, sondern offenbaren vielmehr die kranken Phantasien, die sexuellen Frustrationen und Obsessionen der im Zölibat lebenden Kleriker.

Ich möchte aus diesem grauenhaften Buch nichts zitieren - all das kann jede jederzeit nachlesen, denn der "Hexenhammer" wird seit Jahrhunderten immer wieder aufgelegt und ist auch heute nach wie vor im Buchhandel lieferbar.

Das Inquisitionsverfahren

Durch einen Wandel der Rechtsordnung wurde die Verfolgung von Zauberei durch Privatanzeige vereinfacht. Der Übergang zum System der behördlichen Ermittlung und Offizialklage in der Frühen Neuzeit schuf Voraussetzungen für Massenverfahren. Durch die Änderung des Beweisverfahrens (Ende des 15.Jdts) waren die Angeklagten ganz und gar der Willkür des Richters und der der Zeugen ausgeliefert.Das Inquisitionsverfahren selbst bezeichnet im Römischen Recht ein Verfahren, in dem der Richter nicht erst aufgrund einer Anklage (Akkusationsverfahren) tätig wird, sondern selbst ermittelt (inquirere). Da Hexerei außerdem als Ausnahmeverbrechen galt, durften auch anonymen Hinweisen nachgegangen werden, was der Willkür Tor und Tür öffnete. Mit der Einführung dieses neuen Gerichtsverfahrens begann auch die Hexenverfolgung.

Fast alle sogenannten Hexenprozesse wurden vor weltlichen Gerichten geführt. Allerdings hatten katholische Theologen die dämonologische Hexenlehre (z.B. Schadenszauber) entwickelt - die Kirche hatte den Nährboden für den Hexenwahn gelegt, die Prozesse selbst aber recht schnell an die weltlichen Gerichte abgegeben. So wurden die Hexenprozesse zu Strafverfahren gemischter Zuständigkeit kirchlicher und weltlicher Gewalten. Die örtlichen Gerichtsbarkeiten waren das weltliche Vollzugsorgan, während die kirchlich beeinflussten juristischen Fakultäten die jeweiligen Rechtsgutachten erstellten.

Bei Hexenprozessen stand - im Gegensatz zum Ketzerprozess - das Todesurteil im voraus fest. Der übliche Verlauf war: Denunziert, verhaftet, gefoltert, verbrannt. Es wurde auch empfohlen, Kinder durch "geschickte Behandlung" zu Aussagen gegen ihre Mütter zu bringen. Weil Kinder sehr empfindlich auf die Folter reagierten, wurde es zur Regel, sie unverzüglich und ohne vorherige Wartezeit zu foltern. Derartige hervorgelockte Aussagen von Kindern (und das bedeutete Kinder unter zehn Jahren) wurden von der Inquisition ohne weiters anerkannt. So konnten ihre Mütter in Inquisitionsprozessen auf diese Weise der Hexerei überführt und ermordet werden. Die Gesetze der Hexenverfolgung erlaubten keine Widerruf des Geständnisses nach der Folter. Diejenigen, die versuchten, ihre Bekenntnisse zu widerrufen, wurden wiederum in die Folterkammer gebracht und erneut gefoltert; zum einen, um sie von ihrem Widerruf zu reinigen und zum anderen, um ihnen erneut ein "wahres Geständnis" abzupressen. Der Grundsatz der Inquisitoren war, so lange mit der Folter fortzufahren, bis das Opfer viele "Komplizinnen" genannt hatte; diese wurden dann ebenfalls verhaftet und gefoltert, bis weitere Namen genannt wurden. Das Gericht musste nicht die Schuld der Angeklagten beweisen, vielmehr mussten die Angeklagten ihre Unschuld beweisen. Der Gebrauch der Folter machte jeden Beweis der Unschuld unmöglich. Schweigen galt übrigens ebenfalls als Geständnis: es gab kein Entrinnen.Vielfach projizierten die Vertreter der Kirche dabei ihre eigenen unterdrückten und deformierten sexuellen Bedürfnisse auf die angeklagten Frauen und ließen diesen Bedürfnissen im Rahmen eines grenzenlosen Sadismus während der Folterungen freien Lauf.

Für eine Behörde war ein Hexenprozess der beste und schnellste Weg, Geld zu verdienen. Die Obrigkeit hatte also handfeste materielle Interessen: Laut Gesetz fiel ihr der ganze Besitz der als Hexen Hingerichtete zu. Vor allem waren es reiche und alleinstehende Frauen, in erster Linie Witwen, auf die das Auge der gierigen Obrigkeit fiel. Nach der Hinrichtung einer vermögenden Frau gönnten sich ihre Richter ein üppiges Mahl auf Kosten des Opfers. Oft wurde das Geld eines Angeklagten schon vor dessen Verbrennung ausgegeben. Für die meist erheblichen Prozesskosten und Exekutionskosten musste die Hingerichtete mit ihrer Hinterlassenschaft selbst aufkommen - berechnet wurde dabei oft sogar auch das Feuerholz.

Wer waren die Hexen? Wer wurde als Hexe angeklagt?

Oft waren es Frauen, die eine ablehnende Haltung gegenüber der Herrschaft von Klerus und Adel hatten. Und vor allem Frauen, die sich nicht in ihr vorgezeichnetes Schicksal fügen wollten, die ihr Leben selbst bestimmten und sich nicht an die von Männern festgelegten gesellschaftlichen Normen gehalten hatten - also aufmüpfige, widerspenstige Frauen. Weiters auch Frauen, die in enger Verbindung mit der Natur standen, über Kräuterwissen & Heilkünste verfügten und ein besonderes Gespür für die seelischen und körperlichen Leiden anderer Menschen hatten. Genau dafür wurden sie der Hexerei bezichtigt.

Warum bzw welcher Taten wurden die Frauen beschuldigt?

  • Die Hexen schädigen vor allem ihre nächsten NachbarInnen, Verwandten und/oder deren Vieh (der sog. "Schadenszauber").
  • Hexerei geschieht aus Neid, Konkurrenz oder aus purer Boshaftigkeit
  • Hexen wirken im Geheimen, besonders nachts. Da treffen sie sich auf Hexentanzplätzen und hecken Böses aus.
  • Hexen sind nicht rein menschlicher Natur, sie sind vom Teufel besessen

Man verdächtigte sie, mit dem Teufel einen Pakt abgeschlossen zu haben und mit ihm sexuell zu verkehren, nachts durch die Luft zu fliegen und am Hexensabbat, einer obszönen Teufelsmesse, teilzunehmen. Man(n) behauptete, die Hexen trügen bestimmte Erkennungsmerkmale im oder am Körper(sogenannte "Hexenmale"). Von den Hexen wurde angenommen, sie könnten jegliche Form von Unglück und Leid zaubern: Krankheit, Streit, Tod, Naturkatastrophen, Missernten, Seuchen und Epidemien.

Jakob Sprenger und Heinrich Institoris stellten 1487 fest:
"Ohne einen Tropfen Gift, bloß durch die Stärke ihres Zauberspruches, vernichten sie die Seelen."

Seit Thomas von Aquin (1225-1274), der leider nicht in die vErgessenheit abgettaucht ist, sondern auf den sich auch heute noch viele Kirchenmänner gern berufen und ihn auch zitieren, wurde zudem die Lehre von der Teufelsbuhlschaft vertreten, die das sexuelle Motiv in den Hexenglauben einführte: Hexen (=Frauen!) wurden und werden zumeist als vollbusige, rothaarige, lüsterne und enthemmte Frauen dargestellt. Das ist wohl ein Grund dafür, daß in Österreich und Deutschland überwiegend Frauen als Zauberinnen/Hexen verfolgt worden sind.

Martin Luther, der große Reformator(sic!), hatte ebenfalls eine fürchterliche, lüsterne Vorstellung von Hexen. Er phantasierte sie sich zurecht als "Teufelshuren, die da auf Böcken und Besen reiten... Kinder in der Wiege martern, die ehelichen Gliedmaßen bezaubern… und die Leute zur Liebe und Buhlschaft zwingen und des Teufels Dinge viel...".

Martin Luther schrieb weiters:
" Gemeinhin ist es der Weiber Natur, daß sie viel Zauberei und Aberglauben treiben und die Eine die Andere lehret. Item die Hexen, das sind die Teufelshuren, welche das Wetter machen, die Milch stehlen und auf dem Besen reiten . . . Mit Hexen und Zauberinnen soll man keine Barmherzigkeit haben. Ich wollte sie selber verbrennen."

Die letzte Hinrichtung einer Frau als Hexe im deutschsprachigem Raum fand im Jahr 1782 (Anna Göldi in Glarus/Schweiz) statt.

 

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