www.frauenwissen.at

home | Frauengeschichte | Frauendarstellungen | Göttinnen | Vorträge | Frauen.Stadtgeschichte.Wien | Frauenzitate | Bücher | Links | Kontakt

» Frauengeschichte

FRAUENLEBEN IM MITTELALTER

Frauen im Mittelalter waren unterdrückt, demütig, christlich, sahen zu ihrem Herrn und Gebieter auf, waren unselbständig, Gebärmaschinen, fremdem Willen unterworfen - so lauten die Klischees, das uns immer noch in Büchern und Schulen gemalt wird.

Die Frage nach dem Bild der Frau im Mittelalter ist daher nicht einfach zu beantworten. Die meisten Quellen, über die wir verfügen, sind klerikalen Ursprungs. Die wenigen weltlichen Darstellungen in der Literatur geben oft nur Wunschbilder wieder. Die höfische Epik gewährt uns zwar einen Einblick in das Leben der Oberschicht, doch die breite Masse der Bevölkerung, also die Bäuerinnen und Städterinnen kommen hier nicht vor. Zudem stammen die meisten Beschreibungen von Männern. Die Frauen dieser Epoche waren unübersehbar von Männern dominiert; ihre Erfahrungen, Wünsche und Vorstellungen können häufig nur erahnt werden hinter dem Schleier der Bevormundung und Reglementierung durch Väter, Ehemänner und Beichtväter.

Doch das stimmt nur zum Teil. Weibliches Leben im Mittelalter konnte wesentlich vielfältiger und aufregender sein, als uns heute bekannt ist. Frauen waren zwar weitgehend rechtlos und auf Männer bezogen, und sie mussten entweder heiraten oder als Nonne leben. Doch gab es jahrhundertelang weibliche Zünfte und Frauenwerkstätten (sogenannte "Gynäzeen"), die Frauen in die Lehre nahmen, und in vielen Städten konnten Händlerinnen vor Gericht ziehen.

Das Frauenbild der Kirche im Mittelalter war durch frauenfeindliche und diffamierende Schilderungen gekennzeichnet: Frauen sind labil, führen andere in Versuchung, sind zänkisch, herrisch und stets bemüht, den Mann zu unterjochen und ihn jeder Lebensfreude zu berauben. Frauen sind für den Mann erschaffen worden und haben sich ihm deshalb zu unterwerfen (diese Anschauungen kommen uns heutigen Frauen leider auch sehr bekannt vor!). Von Natur aus minderwertig, sind sie dem Mann körperlich und geistig unterlegen. Frauen sind ungebändigt, zügellos und widerspenstig und müssen erst vom Vater und später vom Ehemann "erzogen" werden, um Demut und Gehorsam zu lernen … Der Mann hingegen ist wie geschaffen dafür, ein gottgefälliges Leben zu führen.

Besonders die Sexualität der Frau bedarf einer Reglementierung. Ihre Triebhaftigkeit, die den Mann stets ins Verderben zu führend droht, kann nur durch die Ehe gebrochen werden. In der Ehe ist die Sexualität der Frau auf die Verpflichtung, für Nachwuchs zu sorgen, reduziert, und der Frau werden Aufgaben als Mutter und Herrin des Hauses zugewiesen. Mit der Beschränkung auf den häuslichen Bereich ist der Ausschluss der Frau von öffentlichen Ämtern beschlossen. Sie darf weder Richterin werden noch andere Herrschaftsbefugnisse erlangen. Versammlungen und freie Meinungsäußerungen sind ihr verboten. Nur als Frau, die Mann und Kinder umsorgt, wird ihr Anerkennung zuteil, ansonsten wird sie auf allen Gebieten minder bewertet.

Die Theologen des Mittelalters blieben bei ihrer frauenfeindlichen Darstellung und leiteten die Minderwertigkeit der Frau aus der Bibel her. Sie argumentieren damit, dass Eva aus der Rippe Adams und nicht aus seinem Kopf oder seinem Herzen geschaffen wurde. Die wenig wertvolle und entbehrbare Rippe gebe Auskunft über die Wertigkeit der Frau als Gespielin und Unterhalterin des Mannes...

"Die Gattin richtig zu gebrauchen, erfordert sich ständig von ihrem Verlangen in Acht zu nehmen. Ihr Körper, für den Fortbestand des Familiengeschlechts unerlässlich, sei den Launen einer zu unbeständigen Natur ausgesetzt. Von mangelhaften Verstand der Frau schlecht beherrscht, verlangt dieser Körper von seinem Herrn, dem Ehemann, dass sein Verlangen zurückhaltend und regelmäßig befriedigt werde, ohne dass sich dieser selbst dem Sinnesrausch hingeben dürfe; damit untergrabe er seine Autorität..."

Das wichtigste Ziel des Mannes war es also, die Frau am Zügel (und somit auch im Haus) zu halten, da öffentliche Plätze wie z.B. der öffentliche Backofen und vor allem die Spinnstuben Männern suspekt und auch gefährlich erschienen, da sie vermuteten, die Frauen würden dort geheime Pläne gegen sie aushecken (haben sie?!).

Viele Frauen zogen daher lieber den Weg einer religiösen Lebensweise vor: Das Leben im Kloster war für Frauen die einzige Möglichkeit, ein Leben abseits von Ehe & Mutterschaft und somit männlicher Vormundschaft & Abhängigkeit zu führen. Die Klöster waren für die Frauen Zentren der höheren Bildung, da ihnen der Zugang zu Schulen und Universitäten verschlossen war. Die Zisterziensernonnen waren berühmt als Lehrerinnen, bis ihnen verboten wurde, weitere Klosterschulen einzurichten.

DIE RECHTSTELLUNG DER FRAU

Die Rechtsstellung der Frauen war, ebenso wie die der männlichen Zeitgenossen, im Mittelalter von einer Fülle von Einzelregelungen, Sonderrechten und Privilegien bestimmt. Frauen auf dem Land unterlagen zunächst den sogenannten Stammesrechten, später den sogenannten Weistümern oder Gewohnheitsrechten. Im städtischen Bereich galten seit dem 12. Jahrhundert schriftlich fixierte "Stadtrechte" - von denen allerdings alle im religiösen Stand Lebenden ausgenommen waren, die sich nach dem kanonischen Recht zu richten hatten. Die meisten mediterranen Regionen waren darüber hinaus dem römischen Recht untergeordnet.

Nahezu alle Rechtssatzungen zeigen allerdings im Hinblick auf das weibliche Geschlecht spezifische, Frauen einschränkende Regelungen, im "privaten" wie im "öffentlichen" Bereich. Die auffallendste rechtliche Fixierung der "Minderwertigkeit" der Frauen war die in fast allen Rechten verankerte Vormundschaft des männlichen Geschlechts über das weibliche, die verminderte Rechtsfähigkeit aller Frauen: Die Stammesrechte etwa schlossen selbst die freie Frau von allen öffentlichen Angelegenheiten aus. Sie durfte auch in der Gerichtsversammlung nicht selbständig auftreten, sondern musste sich durch einen Mann vertreten lassen, ihren "Muntwalt". Bei unverheirateten Frauen war das in der Regel der Vater oder der nächste männliche Verwandte, bei verheirateten Frauen der Ehemann. Der Muntwalt hatte außer der gerichtlichen Vertretung seines Mündels auch das Verfügungs- und Nutzungsrecht über dessen Vermögen, das Recht zur Verehelichung und die Strafgewalt. So gestattete das Wiener Strafrecht von 1340 dem Ehemann im Falle des Ertappens seiner Frau "in flagranti" mit ihrem Liebhaber die sofortige Tötung. Tötete er nur den Mann und ließ die Frau am Leben, wurde er zu einer Geldstrafe von 30 Pfennig verurteilt. Wurden die EhebrecherInnen lebend gefangen, sah das Gesetz den Tod durch Pfählung vor.

Diese "Geschlechtsvormundschaft" begann allerdings im Laufe des späteren Mittelalters, insbesondere in Mittel- und Westeuropa, zu schwinden. Hier erhielten vor allem Unverheiratete wesentlich größere Eigenrechte; die Rechtsbücher des 13. Jahrhunderts gestanden ledigen Frauen und Witwen eine beträchtliche Ausweitung ihrer Handlungs- und Entscheidungsfreiheit zu. In privatrechtlicher Hinsicht konnten sie nun freier über ihren Besitz verfügen und konnten u. a. die Vormundschaft über ihre unmündigen Kinder ausüben. Ehefrauen dagegen verblieben, mit Ausnahme der als Händlerinnen und Kauffrauen tätigen Frauen, in der Vormundschaft, der "Ehevogtei" ihres Mannes.

Als die christlichen Gesetze auch in die Eigentumsrechte der Frauen eingriffen, legten viele adlige Frauen das Gelübde ab, um ledig zu bleiben und/oder ihren Reichtum vor den Ansprüchen der Ehemänner zu schützen.

FRAUEN IN DER WIRTSCHAFT

Im 14. bis 16. Jahrhundert bietet das Leben berufstätiger Frauen wissenswerte Einblicke. Es standen den Frauen - wenn auch nur einer kleinen Minderheit - bereits einige Möglichkeiten offen, selbständig und unabhängig von einem Mann zu leben. Rechtliche Beschränkungen, die auf dem Land und in der Burg das Leben der Frauen kennzeichneten, galten nicht in der Stadt. So hafteten Städterinnen nicht mit ihrem Brautschatz für die Schulden ihrer Männer, sie konnten selbst über ihr eigenes verdientes Geld verfügen. Viele Frauen nutzten die Möglichkeit, einen eigenen Beruf auszuüben.

Aus Frankfurt zwischen 1320 und 1500 sind rund 200 Berufsarten für Frauen nachgewiesen, davon gab es 65 nur in weiblicher Form. In 17 waren Frauen mehr vertreten als Männer, in 38 waren sie etwa gleich stark vertreten, in 81 überwogen die Männer.

Im Hochmittelalter verbesserte sich die Stellung der Frau vor allem in den Städten. Neben der Versorgung der Familie halfen sie dem Mann bei der Arbeit. Sie übten das Handwerk als Gehilfin, manchmal sogar als Meisterin aus.

Um 1100 begannen die (männlichen) Handwerker sich in sogenannten Zünften, zu organisieren, an denen nach und nach auch Frauen wesentlich beteiligt sind. In den Zünften wurden im 14. Jahrhundert mehr und mehr Frauen aufgenommen bzw gründeten eigene Frauenzünfte in den Berufen, in denen Frauen eindeutig dominierten.

Doch nicht nur in den in Zünften organisierten Berufen waren die Frauen tätig, sondern auch der Kleinhandel war Frauensache. Die Stadtrechte räumten Kauffrauen und Händlerinnen bessere Rechte ein als ihren Geschlechtsgenossinnen, das Ehe- und Erbrecht betrachtete Frauen als (fast) gleichwertige Partnerinnen ihrer Ehemänner in allen familiären Angelegenheiten: Häusliche Ökonomie, Kindererziehung, Besitzanhäufung und - veräußerung.

Grund für die plötzliche Änderung war die Pest: 1346 breitete sich die Pest in Europa aus.
Durch den Tod großer Bevölkerungsteile kam es zu einem akuten Arbeitskräftemangel. Damit die Wirtschaft nicht völlig zum Erliegen kam, musste den Frauen die berufliche Tätigkeit erlaubt werden. Die Frauen haben sich dabei in fast alle Berufssparten vorgewagt. Diese kurzlebige Entwicklung hat zu einem gewissen Selbstbewusstsein der mittelalterlichen Frau beigetragen.

Die berufstätige Frau war in der Stadt also keine Besonderheit. Alle Berufe in der Textilverarbeitung wurden fast ausschließlich von Frauen ausgeübt: Kürschnerei, Handschuh- und Hutmacherei, Schneiderin, Weißgerberin, Seidenstickerin, Beutel- und Taschenherstellung. Die Fertigung von Schnüren und Bändern, Hüllen und Schleifen, Knöpfen und Quasten lag ganz in Frauenhänden.

Aber auch im Metall- und Holzhandwerk arbeiteten Frauen. Nadeln, Schnallen, Ringe und Golddraht, Besen- und Bürsten, Matten und Körbe, Rosenkränze und Schlüssel wurden von Frauen hergestellt. Das Bäckereihandwerk, die Bierbrauerei, die Fertigung von Kerzen und Seifen oblag den Frauen. Es gab auch Abschreiberinnen und Briefdruckerinnen, Näherinnen, Schneiderinnen und Flickerinnen. Diese hatten eine eigene Zunftordnung und durften Lehrtöchter ausbilden.

Auch in sogenannten Männerberufen wie Dachdecker oder Schmied sind Frauen bis in das 16. Jahrhundert vertreten. Handels- und Kauffrauen waren ebenso keine Seltenheit. Frauen handelten oft mit den Waren, die ihre Männer herstellten. Es gibt außerdem zahlreiche Belege über Frauen, die im Groß- und Fernhandel als Unternehmerinnen tätig waren.

Auf dem Land bereicherten die Frauen das Familieneinkommen durch Kleinviehzucht und Gartenwirtschaft Hühner, Eier, Seife, Kräuter und Beeren wurden auf den Märkten angeboten und von den dortigen Händlerinnen verkauft. Und in einem ganz und gar weiblichen Sektor eröffneten sich gar neue "Berufsperspektiven" für Frauen: Zunehmend spezialisierten sich besonders geschickte Frauen als Hebammen und wurden schließlich sogar in den städtischen Dienst aufgenommen. Sie konnten "Lehrtöchter" halten und ausbilden und so bildeten sie damit fast schon eine eigene Zunft.

Doch im Laufe der Zeit wurde den Frauen das Recht entzogen, Lehrmädchen auszubilden, und so verkamen einstmals hochstehende, anerkannte Berufe zu Hilfsarbeiten oder wurden von Männern übernommen. Es blieb ihnen schließlich nur mehr übrig, bei ihrem Ehemann, einem Meister, "Zuarbeit" zu leisten oder sich als Bademagd, Waschfrau, Kohlenträgerin zu verdingen. In manchen Städten konnten sie, wenn sie unverheiratet waren, als selbständige Kleinhändlerinnen arbeiten. Ebenso verlief es beim Bierbrauen, das ursprünglich ein weibliches Privileg war, den Frauen aber immer mehr entzogen wurde, bis es schließlich ein hauptsächlich von Mönchen ausgeübt wurde. Das "Reinheitsgebot von …." diente u.a. dazu, die weibliche Konkurrenz auszuschalten.

Anders bei den Beginen: Beginen konnten all jene Berufe ausüben, die Frauen ansonsten bereits verwehrt waren: Garn, Seide und Gold spinnen, Teppiche besticken, Bücher abschreiben, Kranke pflegen, Mädchen unterrichten, Mehl mahlen und Bier brauen. Beginen arbeiteten als Weberinnen, Spinnerinnen, Dachdeckerinnen, Bierbrauerinnen, Schmiedinnen, Lehrerinnen, Wagnerinnen, betrieben Fähren (z.B. in Frankfurt) und Schulen und waren ein wichtiger wirtschaftlicher Faktor.

Beginen waren unabhängige, selbstständige Frauen im Mittelalter, die entweder nicht heiraten wollten oder konnten. Sie lebten in großen oder kleinen Zusammenschlüssen, welche Beginenhäuser oder Beginenhöfe genannt wurden. Sie widersetzten sich den aufkommenden gesellschaftlichen Zwängen. Ihre wirtschaftliche Unabhängigkeit erlangten sie durch das Einbringen ihrer jeweiligen Besitztümer, Mitgiften, erlernten Fähigkeiten und durch ihre Arbeit. Sie legten Wert darauf, sich ihren Lebensunterhalt selbst zu verdienen.

Die Kirche begann im 12. und 13. Jh. die Rechte der Frauenklöster zu beschneiden, indem sie das Eigentum der Nonnen für sich beanspruchte und die Nonnen dem männlichen Klerus unterordneten. Seit dem 12. Jh. standen Klöster unter dem zunehmenden Druck, die Regeln der strengen Abgeschlossenheit zu übernehmen und die Nonnen in strikter Trennung von der Welt zu halten. Viele Klöster wurden mit der Exkommunikation bedroht, mit Auflösung oder sogar mit der Verfolgung durch die Inquisition, um sie zu einer strengen Abgeschlossenheit zu zwingen. Nonnen durften keine theologischen Inhalte mehr lehren oder diskutieren. Dieses Verbot lieferte den Vorwand, ihre Orden zu verbieten und ihr Vermögen zu beschlagnahmen. Dem Konzil von Vienne diente es als Ausrede, die lehrenden Beginen ihres Landes und ihrer Häuser zu berauben.

Doch der wirtschaftliche Erfolg der Beginen (die Blütezeit war im 13. und 14. Jahrhundert) und ihre zunehmende religiöse Selbstständigkeit führten bald zu Konflikten mit Handwerkszünften und Klerus. Am Konzil von Vienne wurde beschlossen "dass ihre Art zu leben für immer verboten ist, und dass sie alle zusammen aus der Kirche Gottes aufgeschlossen sind." Mit fortschreitender Inquisition wurden auch Beginen als Hexen und Ketzerinnen verfolgt. Doch erst die Reformation des 16. Jahrhunderts führte zur Auflösung der Beginenkultur: ihre Besitztümer wurden beschlagnahmt und übernommen, viele Beginen wurden gezwungen, sich einem Orden anzuschließen oder sie wurden auf die Straße gesetzt und für vogelfrei erklärt.

Es gibt Berichte über heftige Kämpfe zwischen Beginen und Kirche, z.b. über den berühmtesten Beginenhof Münchens, das Pütrichkloster: Die Beginen, die hier 200 Jahre lang unbehelligt, ohne anerkannte Regel, ohne Gelübde lebten, und deren Wirken in der Stadt sehr geschätzt wurde, gerieten Ende des 15.Jhdts unter den Druck Herzog Albrechts, der die Beginengemeinschaft den Franziskanern unterordnen wollte. Die Beginen wehrten sich - vergeblich. 1484 setzte Herzog Albrecht die Unterordnung durch - worauf der gesamte Beginenkonvent geschlossen die Stadt verließ.

» mehr über die Beginen


nach oben